Nachhaltige Elektronik

How can the longevity of technological devices at a university be achieved?

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Probleme mit Elektronikschrott

Elektronische Geräte haben unser Leben drastisch verändert und der Gesamtverbrauch verschiedener elektrischen Geräte hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen, ebenso wie der Elektronikschrott.

Obwohl nicht mehr funktionsfähige oder unerwünschte Elektronik an den Hersteller zurückgegeben werden kann, landen viele Geräte immer noch in inoffiziellen Recyclingbetrieben oder werden in der Natur deponiert.

Ähnlich wie beim Handel mit funktionaler Elektronik hat sich ein großer Handelsmarkt rund um nicht mehr funktionierende elektronische Teile entwickelt, die in der Regel an den billigst möglichen Ort verschifft werden, um wertvolle Ressourcen daraus zu gewinnen.

Aus diesem Grund landet die Elektronik oft in afrikanischen Ländern südlich der Sahara, wie Ghana oder Nigeria, wo elektrische Geräte ohne Sicherheitsausrüstung verbrannt werden, um an bestimmte Metalle, wie Kupfer, zu gelangen.

Bei diesen Prozessen wird die Umwelt geschädigt und in der Nähe größerer Recyclinganlagen zudem oft durch Brände, giftige Abfälle und giftige Luft völlig zerstört.

Aber elektronische Produkte haben in der Regel negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, noch bevor sie als Elektroschrott enden. Ähnlich wie in der inoffiziellen Recyclingindustrie werden für die Herstellung von elektronischen Geräten Mineralien wie Gold oder Coltan benötigt. Die Ausbeutung dieser Mineralien in politisch instabilen Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo (DRK) hat zu Sklaverei und brutalen Arbeitsbedingungen sowie zu Umweltverschmutzung durch große Bergbauaktivitäten und Quecksilberverschmutzung im Zuge der Reinigung des Goldes geführt. Heute gibt es nur noch wenige nachhaltige Quellen von Mineralien für Telefone, wie beispielsweise Fair Trade Gold. Die Mehrheit der Telefone, PCs, Bildschirme, Kühlschränke oder Radios werden aus konventionellen Materialien gebaut, die auf Umweltzerstörung bei der Beschaffung von Mineralien, schlechte Arbeitsbedingungen beim Zusammenbauen (um die Kosten niedrig zu halten) und schließlich auf die billige Entsorgung von alter Hardware angewiesen sind, da das Recycling nach europäischen Standards nicht genug Gewinn abwirft.

Kreislaufwirtschaft

Ein Ansatz zur Bewältigung der gegenwärtigen problematischen linearen Verbrauchsmuster technologischer Geräte ist die Idee einer Kreislaufwirtschaft. Dabei handelt es sich um ein industrielles System, das durch Absicht und Design wiederherstellend oder regenerativ ist. Es “zielt darauf ab, den Nutzen von Produkten, Komponenten und Materialien über den gesamten Lebenszyklus zu maximieren” (frei übersetzt nach Reuter et al. (2018), S. 68).

Anstatt dem „Wegwerfprinzip“ zu folgen, konzentriert sich die Kreislaufwirtschaft auf Wiederherstellung (einschließlich Wiederverwendung) und zielt auf die Vermeidung von Abfall durch die überlegene Gestaltung von Materialien, Produkten und Systemen innerhalb des Geschäftsmodells. All dies basiert auf der Nutzung erneuerbarer Energien und der Vermeidung toxischer Chemikalien während der Nutzung. Die Kreislaufwirtschaft kommt also nicht nur der Umwelt, sondern auch der Wirtschaft und der Gesellschaft zugute.

Die Idee der Kreislaufwirtschaft in Bezug auf technologische Produkte besteht darin, das Konzept des*der Verbraucher*in durch das des*der Nutzer*in zu ersetzen, was bedeutet, dass langlebige Produkte nicht mehr gekauft-benutzt-entsorgt, sondern, wann immer möglich, geleast, gemietet oder geteilt werden sollten. Die Idee besteht darin, funktionale Dienstleistungen zu implementieren, z.B. dass Einzelhändler*innen als Dienstleister*innen auftreten, die nicht ihre Produkte, sondern deren Nutzung verkaufen. Zudem sind die Entwicklung von Rücknahmesystemen und das Design von Produkt- und Geschäftsmodellen, die langlebige Produkte berücksichtigen und die Sanierung erleichtern, wichtige Bestandteile eines solchen Wirtschaftssystems.

Reparatur-Cafés

Reparaturcafés sind Orte, zu welchen Menschen mit ihren kaputten Produkten kommen können und kostenlos Hilfe bei der Reparatur erhalten. Sie tragen nicht nur zur Verringerung des Elektronikschrotts bei, sondern lehren die Verbraucher auch über ihre Produkte und stellen eine tiefere Verbindung zwischen beiden her.

In Deutschland gibt es bereits Hunderte von Reparaturcafés und auch in Lüneburg gibt es mehrere Konzepte. Wir denken jedoch, dass die Eröffnung eines Reparaturcafés auf dem Leuphana-Campus auf großes Interesse stoßen würde.

Es gibt bereits eine große Gruppe von neugierigen Studierenden, welche ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit haben. Dieses Potential könnte genutzt und mit den bestehenden Strukturen zusammengeführt werden.

Bestehende Initiativen in Lüneburg

Wenn du daran interessiert bist, selbst an der Reparatur von Geräten teilzunehmen, gibt es in Lüneburg bereits mehrere Möglichkeiten. Zum einen gibt es “klassische” Reparaturcafés:

Reparaturcafé Lüneburg
Haagestraße 4, 21335 Lüneburg
VHS - Volkshochschule, Eingangsbereich
Deutschland
Reparatur Café Adendorf
Bültenweg 18, 21365 Adendorf
Deutschland

Spezifische Daten und weitere Informationen findest du auf dieser Webseite.

Zusätzlich gibt es das FabLab Lüneburg, das kein Reparaturcafé ist, sondern ein kreativer Ort für verschiedene Anlässe. Sie verfügen jedoch über Fachwissen im 3D-Druck, das dir bei deinem Reparaturprojekt helfen könnte.

Wie könnte ein bestimmtes Konzept aussehen, das die Studierenden anspricht?

Unter Berücksichtigung aller in Lüneburg vorhandenen Ressourcen könnte es sinnvoll sein, diese für eine Reparaturveranstaltung auf dem Leuphana-Campus zusammenzuführen. Wir denken, dass es von studentischer Seite eine große Nachfrage gäbe und Synergien mit bestehenden Initiativen und Strukturen genutzt werden könnten. Es entspricht auch dem Leitbild der Universität im Sinne der Nachhaltigkeit. Die Veranstaltung könnte durch den Austausch von gebrauchten elektronischen Produkten und Zubehör ergänzt werden. Dies könnte nützlich sein, da einige Studierende Zubehör wie Kabel oder Monitore benötigen könnten, nachdem sie von ihren Eltern ausgezogen sind. Vielleicht könnte das Thema der Reparatur sogar in das Verantwortungsmodul des Leuphana-Semesters passen.

Gesellschaftliche Auswirkungen

Das Reparaturcafé dient als Institution zur Reduzierung des Verbrauchs von elektronischen Geräten. Da es am nachhaltigsten ist, den Lebenszyklus eines elektronischen Gerätes zu verlängern, ist die Reparatur die optimale Option. Aber auch der Austausch mit Expert*innen in einem Reparaturcafé garantiert den engsten Kreislauf innerhalb der Kreislaufwirtschaft. Zudem ist das Reparaturcafé ein Ort des sozialen Lernens. Hier kommen Menschen zusammen, tauschen Fachwissen aus und es können Veranstaltungen geplant werden, bei denen über (Nicht-)Verschwendung, Arbeitsbedingungen von Menschen, welche seltene Mineralien abbauen, usw. gesprochen wird. Somit vermittelt dieser Bildungsraum einerseits praktisches Wissen und andererseits politische Bildung. In diesem Zusammenhang kann das Reparieren als ein Akt des Protests gesehen werden, da wir in einer Wegwerfkultur leben. Reparieren ist eine Bewegung gegen diese verschwenderische Kultur und zielt darauf ab, die Fähigkeit der Instandhaltung neu zu erlernen. Es steht oft im Zusammenhang mit einer Kulturkritik der Gesellschaft, die weder ihre elektronischen Geräte sorgfältig behandelt, noch die Auswirkungen ihres Konsums kennt.

Dies ist auch in die heutige Konsumgesellschaft eingebettet, in welcher wir leben. Der*die Verbraucher*in ist von den meisten Produktionsschritten abgekoppelt (auch aufgrund von Undurchsichtigkeit) und nicht in der Lage, den Verbrauch zu verlängern (d.h. zu reparieren). Der Erwerb von Reparaturfähigkeiten bedeutet eine Entwicklung von “Verbraucher*innenkompetenz”, die Verbrauchende dazu veranlasst, sich nicht nur als Person zu sehen, die ausschließlich Dienstleistungen erwirbt.

Alles in allem ist das Reparaturcafé ein Ort, an dem man sich über politische, soziale und ökologische Themen informieren und darüber hinaus für einen verantwortungsvollen Umgang mit defekten elektronischen Geräten sorgen kann. Dies ist momentan die nachhaltigste Möglichkeit, da es für viele elektronische Geräte noch keine fairen und nachhaltigen Optionen gibt.